Gerechte Chancen durch gerechte Noten
Schulen sind die zentralen Orte unserer Jugend, an denen wir uns entwickeln. Wir entwickeln neue Fähigkeiten, trainieren unsere Hirne und bereiten uns vor auf unsere Zukunft. Die von uns investierte Arbeit soll sich am Ende des Tages auch lohnen und messbar sein. Genau deshalb sprechen wir JUNOS Schüler:innen uns klar für die Beibehaltung von Ziffernnoten aus.
Gleichzeitig wäre es aber fahrlässig die realen Probleme der aktuellen Benotung zu ignorieren. Zu oft hängt die Benotung noch vom persönlichen Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler:in ab, zu oft beeinflussen Vorurteile die Bewertung und zu oft sind die Zahlen, die am Ende des Jahres im Zeugnisbogen stehen für viele Schüler:innen unverständlich.
Transparente Kriterien
Eine aktive Feedback-Kultur lebt von gegenseitigem Vertrauen zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen. Genau hier scheitert es jedoch in vielen Fällen derzeit, da Noten oftmals nach (für Schüler:innen) sehr unklaren Kriterien vergeben werden.
Hier wollen wir JUNOS Schüler:innen ansetzen. Noten sollen künftig mithilfe von transparenten und klar kommunizierten Bewertungsrastern ermittelt werden. Wir sprechen uns daher dafür aus, dass die Fachgruppen der Lehrerkollegien an den Schulen autonom eigene Bewertungsraster entwickeln, in welchen verschiedene Kriterien und Leistungserhebungen aufgelistet und gewertet werden. Diese Raster sollen für Schüler:innenjederzeit zum Beispiel online einsehbar sein, damit immer klar ist, wie sich die eigenen Leistungen entwickeln. Außerdem sollen in diesem Raster auch die Anzahl an Leistungsüberprüfung festgelegt werden.
Anonymisierte Leistungserhebung
Viel zu oft fließt die persönliche Beziehung zwischen Lehrer:innen und ihren Schüler:innenmit ein in die Bewertung. Das zu verbieten ist jedoch keine Lösung, da es schlichtweg unmöglich ist jegliche Emotion aus Lehrer:innen herauszunehmen. Doch es können die Rahmenbedingungen für eine gerechtere Benotung geschaffen werden. Wir wollen daher, dass künftig schriftliche Leistungserhebungen vorzugsweise digital und mit Nummern anonymisiert stattfinden. Als Beispiel hierfür dienen zum Beispiel Matrikelnummern anUniversitäten.
Praxis statt heißer Luft
Gleichzeitig ist aber auch klar, dass nicht jede Leistung anonymisiert bewertet werden kann. Während dies bei schriftlichen Leistungserhebungen relativ einfach umsetzbar ist, ist eine Anonymisierung mündlicher Leistungen schier unmöglich. Gleichzeitig sehen wir, dass mündliche Leistungsformate Schüler:innen mit unterschiedlichen Stärkeprofilen unterschiedlich entgegenkommen. Wer fachlich kompetent ist, sich aber im Rampenlicht der Klasse schwertut, sollte deshalb nicht in jedem Fach auf ein einziges Bewertungsformat angewiesen sein.
Wir sprechen uns daher klar dafür aus, Praxisarbeiten anstelle von klassischer mündlicher Mitarbeit im Unterricht oder Hausübungen mehr Raum zu geben, damit das tatsächliche Verständnis und die Kreativität von Schüler:innen gefordert werden. So können auch diejenigen zum Zug kommen, welche aufgrund verschiedener Umstände vielleicht Probleme damit haben ihre Leistungen im Rampenlicht der Klasse zu präsentieren. Wir halten gleichzeitig fest: Mündliche Artikulation, schriftliche Klarheit, analytisches Denken und kreative Problemlösung sind eigenständige Kompetenzen, deren Bewertung legitim und im Berufsleben relevant ist. Ziel einer fairen Notengebung ist nicht die Nivellierung unterschiedlicher Begabungsprofile, sondern die Schaffung mehrerer gleichwertiger Wege, auf denen Schüler:innen ihre Kompetenz unter Beweis stellen können – schriftlich, mündlich, praktisch oder projektbasiert.
Feedback ausbauen
Wer willig ist sich zu verbessern, braucht mehr als reine Ziffernnoten. Deshalb fordern wir JUNOS Schüler:innen zusätzlich zum Zeugnisbogen ein ausführliches Gespräch mit dem Klassenvorstand, oder den Lehrer*innen in den Problem Fächer.
Besonders wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass durch zusätzliches Feedback die Belastung für Lehrer:innen nicht steigen darf. Daher muss einerseits die bürokratische Last für Lehrkräfte massiv abgebaut werden, und andererseits sollten neue digitale Tools effektiv genutzt werden, um Standardarbeiten zu erledigen. An dieser Stelle verweisen wir auf den Antrag „Schule neu denken - Mit liberaler Bildungspolitik zu einem selbstbestimmten Lernen“.
Zukunftsfitte Lehrer:innenausbildung
Aus dem Expertinnengespräch mit Mag. Julia Steurer, einer AHS-Lehrerin aus demBurgenland, ist hervorgegangen, dass anonymisierte und objektive Beurteilungsmethoden derzeit kaum in der Lehrer:innenausbildung behandelt werden. Doch genau hier muss man ansetzen: Junge Lehrkräfte müssen schon am Anfang ihrer Karriere darauf sensibilisiert werden, wie man mit unumgänglichen persönlichen Befindlichkeiten in der Beurteilung umgeht. Ansonsten würden schon früh Muster erlernt werden, die man später nur mehr unter massiven Anstrengungen ausbessern könnte. Um jedoch zu vermeiden, dass die hier geforderten Änderungen erst in vielen Jahren beginnen zu greifen, fordern wir hier auch Fortbildung für Lehrer:innen die das Lehramtstudium bereits hinter sich haben.
Schulvergleiche ermöglichen
Durch die so geschaffene transparente und gerechte Datengrundlage wollen wir auch den Wettbewerb zwischen den Schulen ankurbeln, und diese dazu motivieren, ihre Schulgestaltung ständig weiter zu verbessern. Daher fordern wir JUNOS Schüler:innen, dass die Ergebnisse der Zentralmatura sowie einer möglichen Mittleren Reife veröffentlicht werden. Somit sollen Schüler:innen und deren Erziehungsberechtigte bei der Schulwahl unterstützt werden, um die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen.
Für uns JUNOS Schüler:innen ist klar: Wir wollen eine Schule, in der jede:r dazu befähigt wird, Bestleistungen zu erbringen. Wer sich entwickelt, soll das auch selbst bemerken und dafür belohnt werden. Doch Grundlage dafür ist eine gerechte Benotung, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Elternhaus. Unterschiedliche Stärkeprofile sollen dabei nicht eingeebnet, sondern durch vielfältige Leistungsformate sichtbar gemacht werden. Es wird Zeit, das umzusetzen – Zeit, für echte Gerechtigkeit!